ist ein backup-system nur was für profis?
Wer hier auf meinem Blog liest, dem bedeuten seine Fotos vermutlich etwas! Selbst wenn Du (so wie ich früher auch) „nur“ Deine Erinnerungen festhalten willst, so sind diese Dateien doch sehr wertvoll. Somit ist diese Frage eigentlich auch schnell beantwortet: Nein, ein Backup-System, wie auch immer das aussieht, ist für jeden relevant – und eigentlich auch nicht nur für digitale Bilder!
Wer schon einmal Fotos/Daten verloren hat, der weiß wovon ich spreche! Mir ist es leider zwei Mal passiert und zumindest der zweite Fall dazu geführt hat, das meine Schwester aufgrund dessen sich eine Backup angelegt hat – und zwar kurz bevor ihr Festplatte kaputt ging – möchte ich hier kurz von meinen Erfahrungen berichten. Falls Du derzeit Deine Files noch nicht sicherst, werden dich diese (leider wahren) Begebenheiten vielleicht davor bewahren, einen ähnlichen Verlust zu erleiden.
das 1. mal: alle digitalen bilder weg!
Es ist als wäre es gestern gewesen, dabei war es Anfang der 2000er Jahre – also vor ca. 15 Jahren! Mein damaliger Lebensgefährte und ich teilten uns einen PC. Auf der Festplatte waren drei Partitionen: System, seine Daten, meine Daten. (Windows-)Betriebssysteme waren damals noch nicht so stabil wie heute und man musste das Bestiebssystem von Zeit zu Zeit neu aufsetzen. An einem solchen Punkt waren wir damals offenbar, auf jeden Fall wurde mir damals kurzfristig mitgeteilt: „Ich muss mal Windows neumachen.“ Meine erste Reaktion: „Dann lass mich erst meine Bilder sichern!“ Ich erinnere mich an dieses Gespräch noch sehr genau… Er: „Das ist nicht notwendig. Deine Partition betrifft das nicht.“ Natürlich wusste er, dass das Sichern noch einige Zeit in Anspruch nehmen würde und wollte nicht auch noch darauf warten müssen. Letztendlich war seine Aussage auch korrekt, das ist ja auch genau der Grund, weshalb man Daten auf eine andere Partition ablegt(e).
Dann musste er mir jedoch mitteilen, dass irgendwas schief gegangen war und meine Partition weg ist. Mit der Partition auch meine Bilder! Ich wollte es erst gar nicht glauben! Aber leider war es die Realität. Glück im Unglück: ich habe damals parallel noch viel mit Film fotografiert, somit hatte ich zumindest noch die analogen Erinnerungen. Außerdem hatte ich von Zeit zur Zeit meiner Freundin ein paar Bilder geschickt, so dass ich wenigstens diese mir nochmal zurücksenden lassen konnte…
Damals waren es „nur“ Erinnerungsschnappschüsse und die ich auch nicht wirklich bearbeitet hatte, zudem habe ich nicht alle verloren – sondern „nur“ einen Großteil der digitalen. Der Schmerz war dennoch groß genug und ich habe daraus gelernt.
Ab da an hatte ich zunächst regelmäßig auf CDs/DVDs gesichert und später dann auf externe Festplatten…
das 2. mal: die festplatte mit den RAWs ist hinüber!
Viele Jahre waren seither vergangen. Dann im Herbst letzten Jahres (2017) – der zweite Supergau! Zu der Zeit hatte ich die Daten immer auf zwei externen Festplatten abgelegt. Die eine etwas kleiner (1 TB), musste auch noch andere Daten beherbergen. Irgendwann war diese zu klein, um auch die RAWs zu speichern. Um für die JPGs genug Platz zu haben, habe ich also von dort irgendwann alle RAWs entfernt. Diese waren dann mit einem Backup der JPGs auf der größeren mit 3 TB ausgestatteten externen Festplatte. Diese hatte ich mir zu gelegt, weil die ursprüngliche Backup-Platte zu klein war und dann für andere Daten herhalten musste. Bereits vor dem Ereignis war klar, dass eine zweite größere Platte her musste, um auch die RAWs gesichert zu haben – aber das hatte ich noch etwas vor mir hergeschoben, weil auch andere Ausgaben anstanden. Außerdem hatte ich gedacht, solange ich die JPGs doppelt habe, reicht das auch aus, somit hätte ich die Bilder zumindest noch überhaupt.
Ich muss sagen, dass ich mich das tatsächlich etwas getröstet hatte – zu wissen, dass nicht alles verloren ist. Allerdings hatte ich damals nur von Zeit zu Zeit ein Backup erstellt. Somit waren es also nicht nur RAWs, sondern auch komplette Ordner mit JPGs die weg waren.
Ich musste mich auch mit der Frage auseinandersetzen, wie viel mir diese Daten in Euro wert sind – wenn ich sie ggf. durch einen Wiederherstellungsservice retten lasse. Von diesem wurde mir mitgeteilt, dass ich mit mindestens 600 Euro rechnen müsse, dass es aber auch durchaus deutlich teurer werden könnte. Bevor ich diesen Schritt gehen würde, wollte ich jedoch erstmal noch eigene Versuche unternehmen. Also erstmal mit einem freien Diagnosetool schauen, was los ist. Dazu musste die Festplatte aus seinem Gehäuse befreit werden und in einem PC verkabelt werden. Das Tool war der Meinung, dass eigentlich alle Daten noch da sind, nur die FAT-Tabelle wäre kaputt. Ich war erstmal erleichtert, das klang nach einer einfachen Lösung. Also ließ ich von dem Tool die besagte Tabelle wiederherstellen – leider nicht mit dem gewünschten Erfolg!
Weitere Online-Recherchen haben mich dann darüber aufgeklärt, dass Western Digital die Daten durch den Kontroller verschlüsselt, somit war ein Zugreifen ohne den Controller im Gehäuse nicht möglich. Offenbar war dieser auch das einzige Problem, die Festplatte war noch absolut in Ordnung. Hätte ich das eher gewusst, hätte ich alles bis hierher Unternommene gelassen. Aber hinterher ist man ja immer schlauer… Ich habe mir dann die Software Data Recovery Wizard von EaseUs als Demo herunter geladen. Meine letzte Hoffnung um um den Service, der mir ja auch nichts versprechen konnte, herum zu kommen. Und tatsächlich, schienen meine Daten noch da zu sein, ich konnte mir sie sogar in einer Vorschau ansehen! Ich war so glücklich. Die Software habe ich dann also gekauft (für unter 80 Euro) und dazu zwei große Festplatten, dazu Gehäuse.
Das Ende vom Lied: Einen Großteil der Daten konnte ich wiederherstellen und finanziell war es nicht der Worst Case, aber es hat mich viel Zeit gekostet die ganzen Dateien zu durchforsten. Viele von ihnen konnten zwar direkt in der Ordnerstruktur wiederhergestellt werden, aber eben nicht alle. Es hat mich Wochen, das alles zu sortieren – alles andere musste warten (insbesondere die Bildbearbeitung). Schließlich wollte ich die Daten auch gesichert wissen und die wiederhergestellten Daten befanden sich auf der Backup-Festplatte, auf die ich neue Daten dann nicht mit gespeichert hatte.
Was habe ich daraus für mich gelernt: Auch wenn es etwas mehr Zeit kostet, ich speichere alle neuen Bilder sofort auf beiden Festplatten, selbst wenn es auch ab und zu nur ein schnelles, unsortiertes Ablegen ist – soviel Zeit muss sein! Außerdem würde ich mir nie wieder fertige externe Festplatten kaufen – ich will die Gewissheit haben, dass die Festplatte auch dann lesbar ist, wenn der Controller des Gehäuses den Geist auf gibt.
Was den Festplattenhersteller betrifft, setze ich weiterhin auf Western Digital, wobei nun nur noch auf die Black-Version. Wobei ich dazu sagen muss die Green-Version die in dem externen Gehäuse (WD Book) verbaut war, nach wie vor wunderbar funktioniert.
wie sinnvoll ist ein professionelles backup-system?
Dazu müssen wir uns erst einmal darauf verständigen, wie so ein professionelles System aussieht. Wenn ich hier von einem professionellen Backup spreche, meine ich zum einen eins, welches man zuhause einsetzt und zum anderen, welches ein Raid-System mit Spiegelung unterstützt. In der Regel sind das sogenannte NAS-Systeme, von denen man im Netzwerk von mehreren Geräten drauf zugreifen kann. Grundsätzlich würde aber auch ein entsprechendes RAID im PC in Frage kommen, wenn man ohnehin nur an diesem PC arbeitet.
Nachdem wir nun ein gemeinsames Verständnis davon haben, wovon ich hier spreche, nun die eigentliche Frage – braucht man das? Ich sage: nein. Aber, wenn es Dir finanziell nicht weh tut, dann lege Dir gern eins zu! Es ist schon etwas zeitaufwendiger, alle Daten per Hand zu sichern (sprich: auf zwei Festplatten zu kopieren). Man muss auch immer daran denken, alle Änderungen auch auf der zweiten Festplatte durchzuführen, und darauf achten, dass man dabei keinen Fehler macht.
Unbedingt erforderlich ist also nicht, es funktioniert auch auf dem händischen Weg. Hierfür sollte man jedoch einen Workflow haben, den man immer befolgt. Wenn Du Dir also ein NAS nicht leisten kannst oder (wie ich) nicht leisten willst, weil es „nur“ ein Bequemlichkeitsfaktor ist (obwohl das nicht die volle Wahrheit ist) – geht es auf jeden Fall auch ohne. Auf das manuelle Backup solltest Du aber auf keinen Fall verzichten!
wie sieht es mit online-speicher aus?
Aus persönlicher Erfahrung kann ich hier derzeit (noch) nicht sprechen. Mein heimisches System funktioniert für mich recht gut und ich habe als Hobbyfotograf, keine unbedingte Notwendigkeit, von überall aus meine Daten sichern zu können bzw. darauf zugreifen zu müssen. Für Reisesituationen haben wir mittlerweile auch einen Workflow – den werde ich aber mal in einem eigenen Artikel beschreiben.
Online-Speicher hat auf jeden Fall den Vorteil, dass die Daten regelmäßig automatisch gesichert werden und somit wiederherstellbar sind. Ggf. erfüllt der Anbieter auch die Georedundanz, die mir derzeit noch fehlt – aber auch das ist bereits in Planung. Somit wären die Daten auch dann nicht weg, wenn in dem unwahrscheinlichen Fall, der komplette Standort langfristig ausfällt.
Auf der anderen Seite, sollte man sich auch dessen bewusst sein, dass ein solcher Anbieter auch von der Bildfläche verschwinden kann und mit ihm die Daten. Wer auf einen großen Anbieter setzt, ist sicher besser beraten, aber eine Garantie gibt es auch dafür nicht. Ob so eine Pleite von einem Tag auf den anderen ohne Vorwarnung eintreten kann, kann ich nicht beurteilen. Ich persönlich würde jedoch nicht auf Online allein setzen.
Auch zu beachten ist, dass der Anbieter der Wahl besser in sein Rechenzentrum ausschließlich in Europa betreibt oder zumindest die europäischen Datenschutzrichtlinien umsetzt.
schlussbemerkung:
Die von mir in diesem Artikel benannten Firmen bzw. Produkte, erwähne ich einzigst allein aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus. Ich werde von diesen Unternehmen weder in irgendeinerweise dafür vergütet, noch möchte ich mit diesem Artikel vermitteln, dass diese Produkte besser sind als andere.
Aber ich möchte auch Mut machen, dass nicht unbedingt alles verloren ist, wenn eine Festplatte nicht mehr funktionieren möchte – es muss auch nicht unbezahlbar teuer sein, die Daten wiederherzustellen.
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