blaue stunde über zgorzelec

woche 1 – blaue stunde

Das Thema dieser ersten Woche ist die blaue Stunde. Natürlich ist das kein unbekanntes Thema für mich. Begriffe wie goldene Stunde oder eben die blaue liest oder hört man regelmäßig. Und auch wenn ich weiß, dass es sich dabei um die Zeit kurz vor dem Sonnenaufgang bzw. kurz nach dem Sonnenuntergang handelt, und dass es in der Regel keine Stunde ist, sondern weniger, ist mir aufgefallen, dass ich noch nie bewusst während dieser Zeit fotografiert habe.

Das soll nicht heißen, dass ich noch nie zu dieser Zeit fotografiert habe, aber wirklich bewusst ein spezifisches Motiv exakt zu dieser Zeit zu fotografieren – nicht, dass ich mich erinnern könnte… Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Nachtfotografie – ja, definitiv. Aber blaue Stunde nicht wirklich.

Bevor ich aber die Kamera in die Hand nehme, will ich erst einmal heraus finden, was ich zu dem Thema noch nicht weiß. Die üblichen Fakten, wie das Wann und dass die blaue Stunde von ihrem Kontrast zu den gelben Lichtern der Stadt lebt, findet man in Massen – da ist aber auch nichts Neues für mich dabei. Die Theorie ist bekannt.

Aufgrund meiner Erfahrungen mit dem Fotografieren von Sonnensternen oder bei trübem Wetter, frage ich mich, ob es möglich ist, die blaue Stunde immer fotografiert werden kann. Auch wenn ich da bereits ein Vermutung hatte, denn Sonnenaufgänge bzw. -untergänge bei bedecktem Himmel sind schließlich auch nicht möglich oder zumindest nicht sinnvoll zu fotografieren. Nach etwas Recherche finde ich meine Bestätigung, auch wenn da nur steht, dass es nicht immer möglich ist ohne es näher auszuführen.

Also beobachte ich bereits im Vorfeld den Abendhimmel zur Zeit der blauen Stunde – diese bestimme ich mit der Android-App Planit! (in der Vollversion). Natürlich kann man diese Information aber auch im Internet oder in einigen Kalendern finden. Die letzten Dezembertage sind eher verregnet und trüb, ideal für meine Recherche. Meine Befürchtung bestätigt sich: Bei einem solchen Wetter ist es eher eine dunkelgraue Stunde (nachdem es tagsüber einige hellgraue Stunden gab). Dennoch ist das nicht immer so, wie weitere Beobachtungen zeigen. Woran es genau liegt, weiß ich leider noch nicht.

blaue stunde anfang januar – segen oder fluch?

Die Wettervorhersage für die erste Januarwoche ist ernüchternd und ich frage mich, wie ich diese erste Aufgabe erfüllen soll? Dieses Wetter ist auch nicht wirklich unüblich für diese Jahreszeit. Auf der anderen Seite findet die blaue Stunde zu angenehmen Zeiten statt, vergleicht man das mit dem Sommer. Für die erste Januarwoche reden wir immerhin von ca. 7:00 bis 7:30 morgens und 16:30 bis 17:00 Uhr nachmittags.

Eines ist klar, ich muss mich vorbereiten und jederzeit bereit sein. Das heißt, die Wettervorhersage genau beobachten und bereits ein Motiv vorausgewählen, insbesondere für den Fall, dass der Wetterbericht falsch lag und sich ungeplant eine Gelegenheit ergibt. Für meine Planungen nutze ich übrigens OneNote mit Cloudspeicher, so habe ich diese Informationen auch auf meinem Telefon.

Drei potentielle Motive stehen fest, ein Location Scouting in dem Sinne habe ich jedoch nicht gemacht. Pro Shooting ist aber nur eine Location drin, da sie zuweit auseinander liegen und ein Wechsel in der kurzen Zeit nicht möglich ist.

die erste gelegenheit

Das neue Jahr hat noch nicht begonnen, es ist der 31.12.2018, technisch gesehen ist es aber die 1. Woche in 2019 – das Wetter ist besser als vorhergesagt. Spontan entschließe ich mich, das erste Foto für mein 2019 Projekt noch im Jahr 2018 zu schießen. Auch weil die Wetterprognosen für den Rest der Woche sehr bescheiden sind.

Gut, dass ich mir bereits davor überlegt hatte, wo ich fotografieren kann. Ich wähle aus den drei Spots den aus, den ich am besten kenne – ich will auf Nummer Sicher gehen. Dabei merke ich, dass ein Location Scouting nicht nur im Kopf stattfinden sollte… Natürlich kenne ich meine Gegend, aber nicht immer unbedingt aus fotografischer Sicht. Ein Risiko möchte ich bei der vielleicht einzigen Chance auf keinen Fall eingehen.

Das Neißeufer von deutscher Seite in Richtung Polen zu fotografieren, funktioniert garantiert. Dort gibt es direkt eine ansehnliche Häuserfront mit Straßenbeleuchtung. Ich habe von dort bereits eine Nachtaufnahme während des 365 Foto Projektes gemacht, wenn auch von einem leicht anderen Standpunkt näher an der Altstadtbrücke.

Ich packe das Weitwinkel ein und als Alternative dazu das 50 mm, außerdem natürlich Stativ und Fernauslöser. Viel Zeit bleibt mir nicht, wir mussten davor noch einkaufen. So ziemlich zum Beginn der blauen Stunde treffe ich am Zielort ein. Großartig nach Kompositionen bzw. konkreten Standorten suchen ist nicht drin.

Also flink alles aufbauen und die Kamera einstellen. Da ich mir das Bild mit Sonnensterneneffekten bei den Straßenlaternen vorstelle, wähle ich Blende 18, ISO natürlich auf 100 und eine entsprechend lange Belichtung von 10 bis 15 Sekunden. Zwischen dem ersten und dem letzten Bild vergehen nicht mal 10 Minuten. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich die Zeit nicht genutzt habe um eine andere Komposition zu probieren. Aber Vorort war ich mit dem Ergebnis bereits sehr zufrieden und obwohl die blaue Stunde eigentlich erst zur Hälfte um war, kam es mir schon recht dunkel vor.

Eine solide Aufnahme zur Erfüllung dieser Aufgabe ist aber auf jeden Fall im Kasten.

weitere gelenheiten

Das Wetter ist auch an einigen Tagen der restlichen Woche besser als angesagt, so nutze ich gleich zwei Tage später die Gunst der Stunde. Ich entscheide mich für einen Spot wieder an der Neiße mit ein paar wenigen Häusern direkt am Fluss. Schnell merke ich, dass diese Stelle überhaupt nicht funktioniert – zumindest nicht in der blauen Stunde. In den Häusern brennt nicht wirklich Licht und andere Beleuchtung ist eher sperrlich.

Jetzt muss alles schnell gehen! Ohne ein Bild gemacht zu haben, packen wir zusammen und fahren zu der dritten potentiellen Location – Dom Kultury Zgorzelec. Dort bekomme ich endlich ein paar sehr schöne Bilder und bin mir sicher, dass ich eines von diesen zur Erfüllung der ersten Wochenaufgabe nehmen werde.

Vom Wetter her, hätte es auch noch eine weitere Gelegenheit am nächsten Tag gegeben, leider hatte ich da aber keine Zeit. Letztendlich ist es aber auch nicht so schlimm. Ich habe zwei von meinen drei Motiven fotografiert und bin glücklich.

bild der woche

Ich habe lange überlegt, für welches Motiv ich mich entscheiden soll. Eigentlich wollte ein Bild vom Dom Kultury nehmen, die sind auch wirklich schön geworden. Ich entscheide mich dann aber doch für das Neißeufer. Warum? Weil es technisch die Aufgabe besser erfüllt. Der Gegensatz von Blau und Orange-Gelb kommt dort gut zur Geltung. Der Dom Kultury ist hat ein grünes Kupferdach und seine Fassade reflektiert das Licht in eher Lila. Grundsätzlich sehr schön, aber ich wollte eben den Gegensatz zu Gelb-Orange. Ich denke, das letztere Bild wird es dennoch irgendwann auf den Blog schaffen.

fazit

Ich will in Zukunft diese besondere Zeit am Tag bewusst für die Fotografie nutzen. Bislang hatte ich die Nachtfotografie bevorzugt, wahrscheinlich auch, weil nicht so zeitkritisch ist. Aber die blaue Stunde hat auf jeden Fall etwas besonderes.

Gerade was meine Heimatstadt betrifft, sollte ich wirklich bewusst ein Location Scouting machen. Natürlich kann ich nicht jeden Standort zu jeder Tageszeit besichtigen. Aber gerade für kurze Zeitfenster, wie die blaue Stunde ist es doch essentiell zu wissen, ob dort ein gutes Motiv rauszuholen ist.

Etwas Off-Topic aber trotzdem für mich wichtig: Ich will meine Objektive nochmal auf Sonnensterntauglichkeit hin vergleichen. Ich weiß natürlich, welche Objektive das in unserem Sortiment hergeben, aber beim Vergleich mit der Nachtaufnahme mit dem von der blauen Stunde, ist mir aufgefallen, dass sie Sonnensterne des Teleobjektivs mir deutlich besser gefallen…


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