kleine fotografin

sollte jedes foto eine geschichte erzählen?

Immer wieder lese und höre ich in den verschiedensten Medien, dass ein Foto eine Geschichte erzählen muss, um wirklich gut zu sein bzw. hervorzustechen. Ich muss sagen, ich habe lange nicht viel darauf gegeben. Nicht, weil es meiner Meinung nach falsch ist, sondern eher, weil es sich für mich nicht um ein Ausschlusskriterium handelt(e).

Aber seitdem ich, Dank instagram, mir täglich viele Bilder von anderen ansehe, fällt mir doch auf, dass ein grundsätzlich technisch-einwandfreies Foto von einer Landschaft, nicht unbedingt ein ❤️ von mir bekommt. Aber Landschaftsbilder, in denen eine Silhoutte von einer Person, die Beine und/oder Füße des Fotografen oder änliches dem Foto ein zusätzliches Element verleihen, haben doch eine höhere Wahrscheinlichkeit nicht überscrollt zu werden.

Was in unserer heutigen, schnelllebigen, digitalen Welt extrem wichtig ist, ist dass ein Bild innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde eine Verbindung zum Betrachter aufbauen muss. Seit jeher lebt die Kunst und somit auch die Fotografie davon, Gefühle zu vermitteln bzw. diese auszulösen. Aber in einer Zeit, wo es unzählig viele (gute und sogar sehr, sehr gute) Fotos gibt, fällt dies doch immer schwerer – der Betrachter stumpft ab. Wenn er 20 wunderschöne Palmenstrände gesehen, ist der 21. dann wahrscheinlich schon fast banal, selbst wenn er genauso gut ist wie die 20 davor.

Gefühle sind natürlich etwas sehr persönliches, was den einen bewegt, löst beim nächsten vielleicht nicht das Geringste aus. Wenn man aber mit seinem Bild mehr ausdrücken möchte, als „es ist unglaublich schön hier“ oder „hier hatte ich eine sehr schöne Zeit“ (z.B. Urlaubsbilder), steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch ein Dritter die Intention hinter dem Bild spüren kann. Besonders wenn die Motivation für das Aufnehmen des Fotos, die schöne Zeit ist, die man dort hat, wird es für den Betrachter vermutlich sehr schwer, genau das nachzuempfinden – immerhin trägt zu dem Gefühl, welches der Fotograf in dem Moment empfindet, deutlich mehr bei als nur die visuelle Umgebung.

Ich gehöre definitiv zu den Menschen, die sich von „es ist so schön hier“ dazu verleiten lassen, die Umgebung digital festzuhalten. Selbst bei inszenierten Bildern lasse ich mich eher durch Schönheit und mein Bauchgefühl leiten. Das reicht zwar um im Freundes- und Familienkreis eine gewisse Begeisterung zu entfachen, aber eine Ausstellung könnte ich damit vermutlich nicht zum Erfolg führen.

Fazit:

Muss nun also jedes Foto eine Geschichte erzählen? Nein, ABER es hängt davon ab, was bzw. wen man erreichen will. Letztendlich kann auch ein reines Landschaftsfoto ohne „besondere“ Elemente eine Geschichte erzählen und das vielleicht sogar durch Zufall (z.B. weil der Betrachter bereits dort war und es Erinnerungen weckt oder er schon immer dorthin wollte). Wichtig ist jedoch in jedem Fall, dass man sich ein paar Minuten Zeit nimmt, um sich darauf zu besinnen, weshalb man diese Aufnahme festhalten will. Und auch bei inszenierten Bildern, sollte man sich dessen bewusst sein, weshalb genau so und nicht anders. Ich für meinen Teil will das auf jeden Fall mehr in meine Fotografie einfließen lassen. Auch will ich mir bewusster machen, weshalb ich ein Bild mag oder besser mehr noch, weshalb es für mich nicht etwas so Besonderes ist.


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